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Die Summe meiner einzelnen Teile

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Beschreibung:
Sonntag, 29.1. um 21.00 Uhr
Premiere mit Sekt und Brezel in Anwesenheit des Regisseurs Hans Weingartner

Er ist immer für eine Überraschung gut. Hans Weingartner katapultierte sich mit seinem Debut "Das weiße Rauschen" in die deutsche Filmlandschaft, wurde in Cannes mit seiner lockeren Liebeserklärung an eine rebellische Jugend "Die fetten Jahre sind vorbei" gefeiert und holzte unterhaltend in "Free Rainer - Dein Fernseher lügt" gegen das Fernsehen und seinen Quotenwahn. Mit "Die Summe meiner einzelnen Teile" schlägt der Ex-Student der Gehirnforschung den Bogen zum unter psychotischen Schüben leidenden Protagonisten seines ersten Films, kehrt zu seinem Kernthema Psychiatrie und psychische Zustände zurück.

Der geniale Mathematiker Martin (eindrucksvoll: Peter Schneider) landet mit Burn-out-Syndrom in der Psychiatrie, nach der Entlassung kriegt er den alten Job nicht mehr, die Freundin hat einen Neuen und bald steht auch der Gerichtsvollzieher im Mini-Appartement in Marzahn, sogar der Vater jagt ihn davon. Einer, der nicht mehr fit ist für die Gesellschaft, fliegt aus dem sozialen Netz. Wenn er im Supermarkt einkauft oder versucht, der Wirklichkeit zu begegnen, orientiert er sich an Zahlenreihen, sie strukturieren seinen Alltag. Einziger Halt ist die Freundschaft zu einem ukrainischen Jungen, der im Mut zum Leben macht und mit dem er gemeinsam im Wald eine Hütte baut. Die Idylle währt nicht lang, auch der Traum von einem anderen Leben in Portugal zerbricht.

Weingartners Figuren reiben sich immer am System, nehmen sich die Freiheit, gegen den Strich zu bürsten und rennen gegen Hindernisse an (wie auch der Regisseur). Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen Erwachsenem und Kind, hier kann sich der sonst so verschlossene Martin öffnen und eine emotionale Bindung aufbauen. Für Weingartner ist Martin der klassische Verstoßene. Der Wald als Rückzugs- und natürlicher Lebensraum, in dem auch schon mal wie im Märchen der sanfte Wolf vorbeischaut, wird von Henner Besuchs hyperrealistischer Kamera in grün-braun-schwarzen Erdtönen eingefangen. Landschaften im Nebel wirken fast impressionistisch und fast hypnotisch die Bilder der Nacht, in denen vorbeirauschende Autos eine eigene Lichtsinfonie entfachen. Wenn ein Mensch in verschiedene Teile zersplittert und diese weitab der normalen Glücksspur nicht mehr zu einem Ganzen formen kann, ist das auf der Leinwand unbequem und ungefällig. Ein sehenswerter Gegenentwurf zum gern gesehenen Wohlfühlkino.
Text: Schauburg Karlsruhe

FSK: ab 12
Film-Länge: 118 Minuten
Darsteller: Peter Schneider, Henrike von Kuick, Timur Massold

Vorführungen heute, am 18.05. in folgenden Kinos:

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